Jedes Jahr sammeln die Städte in Baden-Württemberg Hunderte Schrotträder ein. Die Kommunen müssen erhebliche Kosten für Entsorgung und Kontrolle tragen, während Abstellplätze für Radfahrer blockiert werden. Besonders Großstädte sind stark betroffen. Das Ausmaß reicht von einigen Hundert bis zu mehreren Tausend herrenlosen Fahrrädern pro Jahr.
Inhaltsverzeichnis:
- München, Hamburg und Köln mit hohen Zahlen
- Kriterien für Schrott
- Auswirkungen auf Radfahrer
- Vorgehen der Städte
- Aufräumaktionen in Heidelberg und Karlsruhe
- Nutzung und Recycling
- Bilanz für die Städte
München, Hamburg und Köln mit hohen Zahlen
In München, Hamburg und Köln werden jährlich über 4.000 Schrotträder entfernt. In Münster spricht das Ordnungsamt sogar von mehreren Zehntausend. In Baden-Württemberg liegt Karlsruhe mit rund 2.000 eingesammelten Fahrrädern pro Jahr an der Spitze. Stuttgart meldete seit Januar bereits 350, in Ulm sind es etwa 150 jährlich. Die Zahlen zeigen, dass das Problem überall sichtbar ist, wenn auch in unterschiedlichem Umfang.
Kriterien für Schrott
Wann ein Rad als Schrott gilt, ist nicht eindeutig festgelegt. Jede Stadt legt ihre eigenen Maßstäbe an. Defekte Reifen reichen nicht aus. Als Schrottrad gilt ein Fahrrad meist dann, wenn es nicht mehr fahrbereit ist, etwa bei fehlendem Rahmen, stark verrosteten Teilen oder wenn es monatelang unbenutzt steht. Kontrolleure entscheiden vor Ort über den Zustand. In Stuttgart wird strenger bewertet, in Freiburg berücksichtigt man den dort üblichen Gebrauch älterer Räder.
Auswirkungen auf Radfahrer
Abgestellte Fahrradleichen blockieren Stellflächen. In München nehmen sie nach Schätzungen etwa 15 Prozent der Kapazität ein. Laut Fahrrad-Monitor Deutschland will fast die Hälfte der Befragten ihr Rad häufiger nutzen, doch fehlende Abstellplätze sind ein Hindernis.
- Schrotträder verringern die Zahl nutzbarer Stellflächen.
- Sie erschweren den Zugang zu Einsatzfahrzeugen.
- Sie behindern das Wachstum der Radnutzung.
Vorgehen der Städte
Die Städte setzen Kontrolleure oder externe Firmen ein. Diese prüfen regelmäßig Anlagen, markieren verdächtige Räder mit Banderolen und setzen Fristen von zwei bis sechs Wochen. In Freiburg beträgt die Frist einen Monat. Vor der Entfernung dokumentieren die Behörden das Rad, gleichen Rahmennummern mit der Polizei ab und lagern es zwischen.
Einige Kommunen bieten digitale Suchfunktionen an, um Besitzern das Wiederfinden zu erleichtern. Wer sein Fahrrad zurückhaben will, muss Eigentum nachweisen – beispielsweise durch Schlüssel oder Rahmennummer.
Aufräumaktionen in Heidelberg und Karlsruhe
Heidelberg organisiert viermal im Jahr groß angelegte Kontrollen. Besonders betroffen sind der Bahnhofsvorplatz und der Universitätsplatz. Karlsruhe führt zweimal jährlich Aktionen rund um den Hauptbahnhof durch. Diese Maßnahmen sollen große Ansammlungen von Schrotträdern verhindern und die Stellflächen entlasten.
Nutzung und Recycling
Viele Räder sind noch verwertbar. Gemeinnützige Vereine übernehmen sie, reparieren sie oder nutzen sie als Ersatzteillager. Der Verkauf von Teilen finanziert ihre Arbeit. In Heidelberg organisiert die Heidelberger Dienste GmbH mehrmals jährlich Auktionen. Daneben gibt es den sogenannten Fahrradschlachthof, wo Ersatzteile günstig angeboten werden.
Unbrauchbare Fahrräder werden verschrottet. Da sie überwiegend aus hochwertigen Metallen bestehen, lassen sie sich gut recyceln. Damit fließen die Materialien wieder in den Rohstoffkreislauf zurück.
Bilanz für die Städte
Die Entsorgung herrenloser Fahrräder ist für Kommunen kostspielig. Zugleich bleibt sie notwendig, um den öffentlichen Raum nutzbar zu halten. Die Zahl der jährlich eingesammelten Räder geht in die Tausende und zeigt die Dimension des Problems. Ohne regelmäßige Aktionen würden Abstellanlagen vielerorts überlastet bleiben.
Quelle: SWR