Freiburg reagiert als erste deutsche Großstadt mit klaren Verboten auf die wachsende Bedrohung durch den Japankäfer. In der sogenannten Befallszone ist ab sofort unter anderem das Bewässern von Grünflächen untersagt. Betroffen ist auch der Fußball-Bundesligist Sport-Club Freiburg, dessen Stadion und Trainingsgelände in diesem Gebiet liegen. Die Stadt folgt damit einer Anweisung des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald.
Inhaltsverzeichnis:
- SC Freiburg beantragt Ausnahmegenehmigung
- Einschränkungen im Norden Freiburgs
- Ausbreitung bis ins Dreiländereck
- Konsequente Eindämmung notwendig
SC Freiburg beantragt Ausnahmegenehmigung
Der SC Freiburg hat bereits beim Landratsamt einen Antrag gestellt, um trotz der neuen Regeln weiter Rasenflächen bewässern zu dürfen. Grund dafür ist, dass das Stadion sowie mehrere Trainingsplätze des Vereins innerhalb der festgelegten Befallszone liegen. Obwohl laut Vereinsangaben dort noch keine Käfer gesichtet wurden, gelten dennoch die offiziellen Einschränkungen. Der Club steht nach eigener Aussage in engem Austausch mit den zuständigen Behörden, um den Trainingsbetrieb aufrechtzuerhalten.
Die Allgemeinverfügung des Landratsamtes erlaubt keine Ausnahmen, es sei denn, eine Sondergenehmigung wird bewilligt. Diese Entscheidung liegt nun bei der Verwaltung. Der Fußballverein argumentiert, dass ein Austrocknen der Sportrasenflächen erhebliche Auswirkungen auf den Spiel- und Trainingsbetrieb haben könnte. Ob die Sondergenehmigung erteilt wird, ist derzeit noch offen.
Einschränkungen im Norden Freiburgs
Die Stadt hat rund um den Fundort am Güterbahnhof eine sogenannte Befallszone eingerichtet. In diesem Bereich dürfen bis Ende September keine Rasen- oder Grünflächen mehr bewässert werden. Die Maßnahme soll die Fortpflanzung des Japankäfers verhindern, da das Weibchen ihre Eier bevorzugt in feuchten Grasflächen ablegt. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich von Wurzeln ernähren und dadurch massive Schäden anrichten.
Um die Verbreitung zu begrenzen, wurden darüber hinaus großflächige Pufferzonen eingerichtet. Diese umfassen weite Teile der Innenstadt und benachbarte Gemeinden. Zwar sind die Auflagen dort weniger streng, doch auch dort ist der Transport von Erde oder Pflanzen stark reglementiert. Nur wenn garantiert werden kann, dass keine Käfer mitgeführt werden, dürfen solche Materialien die Zone verlassen.
Ausbreitung bis ins Dreiländereck
Erste Japankäfer wurden bereits in Basel sowie im Landkreis Lörrach gesichtet. Die Nähe zur Schweiz macht die Region besonders anfällig. Bereits 2017 erreichten die Käfer über Italien die Schweizer Grenze. Allein dort wird der wirtschaftliche Schaden auf mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr geschätzt.
Auch in Grenzach-Wyhlen und Kloten bei Zürich wurden Schutzmaßnahmen eingeführt. So wurden in der Schweiz beispielsweise Fußballfelder mit Folien abgedeckt oder chemische Mittel eingesetzt. Der Käfer, der keine natürlichen Feinde in Mitteleuropa hat, kann über 400 Pflanzenarten vollständig entlauben. Besonders gefährdet sind Obstplantagen, Gärten, Grünflächen und Weinbaugebiete.
Konsequente Eindämmung notwendig
Seit dem 1. August gelten die neuen Regelungen in Freiburg. Die Behörden verfolgen eine klare Strategie: durch gezielte Eingriffe die Vermehrung des Schädlings stoppen. Das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe stuft den Japankäfer als besonders gefährlich ein. Daher ist in der gesamten EU eine systematische Bekämpfung vorgeschrieben.
Die Entscheidung Freiburgs markiert einen deutlichen Schritt zur Eindämmung der Ausbreitung. Mit dem Einsatz lokaler Maßnahmen und überregionaler Kooperation soll verhindert werden, dass sich der Käfer dauerhaft in Deutschland etabliert. Eine Ausweitung der Verbote auf weitere Städte bleibt möglich, sollte sich die Situation verschärfen.
Quelle: SWR